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Bewusster Umgang mit Stressreaktionen

  • Autorenbild: Klaus Wrobel
    Klaus Wrobel
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit
Viele Menschen erleben Stress, Anspannung oder Überforderung und suchen die Ursache im Außen: in Situationen, in anderen Menschen, im Beruf oder in den Umständen ihres Lebens. Dabei gilt in der psychologischen Forschung wie auch in praxisorientierten Ansätzen als gut belegt, dass nicht die Dinge oder Situationen selbst stressen, sondern die Art und Weise, wie wir sie innerlich bewerten und verarbeiten.

Diese Erkenntnis kann entlastend sein – und zugleich herausfordernd. Denn sie verschiebt den Blick von außen nach innen.

Stress entsteht durch Bedeutung, nicht durch Ereignisse
Zwischen einer Situation und unserer Reaktion darauf liegt ein entscheidender Zwischenschritt: die innere Bewertung.

Zwei Menschen können dieselbe Situation erleben – und völlig unterschiedlich darauf reagieren.
Was dabei den Unterschied macht, sind nicht die Fakten, sondern:
  • frühere Erfahrungen
  • gelernte Deutungsmuster
  • Erwartungen und Überzeugungen
  • unbewusste Schutzmechanismen

Das Gehirn vergleicht aktuelle Situationen permanent mit gespeicherten Erfahrungen. Es reagiert nicht nur auf das, was jetzt geschieht, sondern auf das, was es erwartet oder befürchtet.

Wenn alte Erfahrungen die Gegenwart färben
Viele Stressreaktionen basieren auf Mustern, die früher sinnvoll waren.
Sie haben geholfen, sich anzupassen, zu schützen oder schwierige Phasen zu bewältigen.

Problematisch wird es, wenn:
  • alte Strategien automatisch aktiviert werden,
  • obwohl die aktuelle Situation eine andere ist,
  • und reale Gefahr nicht mehr besteht.

Das Gehirn unterscheidet nicht zuverlässig zwischen damals und heute. Es reagiert auf innere Bilder, Erinnerungen und Bewertungen und setzt innerhalb von Millisekunden neurobiologische Prozesse in Gang – einschließlich der Ausschüttung von Botenstoffen wie Adrenalin und Noradrenalin sowie der Aktivierung des Stresshormons Cortisol –, oft schneller, als bewusstes Denken eingreifen kann.

So entstehen Stressreaktionen, die sich logisch „richtig“ anfühlen, aber objektiv nicht mehr notwendig sind.

Bewusstsein als erster Wendepunkt
Allein das Verständnis,
dass nicht die Dinge selbst stressen, sondern wie wir mit ihnen umgehen,
kann bereits spürbare Entlastung schaffen.

Dieses Verständnis schließt ein, dass viele Reaktionen automatisch ablaufen und auf neurobiologischen Prozessen beruhen, die nicht willentlich gesteuert werden und zunächst außerhalb bewusster Kontrolle liegen.

Denn damit verändert sich die innere Haltung:
  • von Ohnmacht zu Einflussmöglichkeit
  • von Ausgeliefertsein zu Gestaltungsraum

Stress wird nicht mehr ausschließlich als etwas erlebt, das „passiert“, sondern als etwas, das mit inneren Prozessen zusammenhängt – und damit veränderbar ist.

Eine kleine alltagstaugliche Handlungsoption
Ein erster, oft unterschätzter Schritt besteht darin, den Moment zwischen Impuls und Reaktion bewusst wahrzunehmen.

Konkret kann das bedeuten:
  • innerlich bis drei zu zählen und bewusst auszuatmen,
  • wahrzunehmen, was im Körper und in den Gedanken gerade geschieht,
  • und diese Reaktion zunächst anzuerkennen, ohne sie sofort verändern zu wollen.

Allein dieses kurze Innehalten kann helfen, automatische Muster zu unterbrechen.
Es schafft Abstand zur unmittelbaren Reaktion und eröffnet die Möglichkeit, bewusster zu entscheiden, wie man mit einer Situation umgehen möchte.

Es geht dabei nicht darum, Stress zu vermeiden oder „richtig“ zu reagieren, sondern darum, Wahrnehmung, Akzeptanz und Handlungsspielraum schrittweise zu erweitern.

„Es ist, wie es ist. Und es wird, was du daraus machst.“

Dieser Gedanke bringt die Dynamik auf den Punkt.
  • Es ist, wie es ist
    beschreibt die Realität, die sich nicht immer kontrollieren lässt.
  • Und es wird, was du daraus machst
    verweist auf den Umgang, die Interpretation und die innere Antwort darauf.

Akzeptanz bedeutet dabei nicht Resignation.
Sie schafft einen klaren Ausgangspunkt, von dem aus neue Bewertungen und Reaktionen möglich werden.

Neue Erfahrungen verändern alte Muster
Das Gehirn lernt nicht durch Einsicht allein, sondern durch wiederholte neue Erfahrungen.

Dazu gehören:
  • bewusstes Innehalten statt automatischer Reaktion
  • das Wahrnehmen eigener Gedankenmuster
  • das Erleben, dass Alternativen möglich sind
  • kleine Schritte, die Selbstwirksamkeit fördern

Mit der Zeit entstehen neue neuronale Verknüpfungen.
Stress wird nicht vollständig verschwinden – aber er verliert seine Dominanz.

Fazit
Nicht die Situation entscheidet darüber, wie belastend sie ist, sondern die Bedeutung, die ihr innerlich gegeben wird. Diese Bedeutungen entstehen aus Erfahrungen, die oft lange zurückliegen und mit der aktuellen Realität nur noch wenig zu tun haben.

Zu erkennen, dass man nicht allem ausgeliefert ist, sondern Gestaltungsspielraum besitzt, ist kein schneller Lösungsweg – aber ein zentraler Anfang.

Es ist, wie es ist.
Und es wird, was du daraus machst.

Wie sich diese automatischen Reaktionsmuster bei dauerhaftem Stress verfestigen können und welche Rolle Erholung und Regulation dabei spielen, ist ein Thema für sich.


Mein Angebot
Als psychologischer Berater sowie Personal und Business Coach begleite ich Menschen auf ihrem individuellen Weg, innere Muster zu erkennen, neue Perspektiven zu entwickeln und konkrete Handlungsoptionen zu erschließen, um ihre Selbstwirksamkeit Schritt für Schritt zu stärken. Grundlage meiner Arbeit ist die Überzeugung, dass jeder Mensch über eigene Ressourcen und Möglichkeiten verfügt, Entwicklung aktiv zu gestalten. Dabei stehen Reflexion, Ressourcenorientierung und nachhaltige Entwicklung im Mittelpunkt.

 
 
 

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